Miteinander

Für ein neues Miteinander (Quelle: madebyr.de)

Vielfach wird beklagt, die CDU wende sich von ihren christlichen Wurzeln ab. Das “Nein” zur Homoehe zeigt das Gegenteil, sie erinnert sich wieder an die christlichen “Werte”. Es wird leider häufig angenommen, dass unser Fortschritt und unser Zusammenleben auf christlichen Werten basiert. Die Bibel ist ein buntes Sammelsurium von unterschiedlichen Meinungen und Legenden aus alten Zeiten. Hin und wieder kann eine Geschichte für die heutige Zeit gute Hinweise geben. Diesen stehen aber massenhaft Texte gegenüber, die rückwärtsgewandt und überholt sind. Ein gutes Beispiel hierfür ist das “Nein” zur Homoehe.

„Man kann eine eingetragene Partnerschaft eingehen, für mich persönlich ist Ehe das Zusammenleben von Mann und Frau, das ist meine Vorstellung, aber ich bin für eingetragene Partnerschaften, ich bin dafür, dass wir im Steuerrecht keine Diskriminierung haben und wo immer wir noch Diskriminierung finden, werden wir die auch weiter abbauen.“ sagte Angela Merkel in dem Interview mit LeFloid.

Das ist für einen logisch denkenden Menschen, der sich auf die heutigen Verhältnisse bezieht, völlig unverständlich. Einen Sinn ergibt es erst dann, wenn die biblische Geschichte in die Überlegungen einbezogen wird. Zu Zeiten des Alten Testaments herrschte ein buntes Treiben zwischen den Geschlechtern, Vielehe, Fremdgehen und sogar inzestuöse Beziehungen waren weit verbreitet, bis die Ehe zwischen Mann und Frau eingeführt wurde. Daher stammt wahrscheinlich auch das Dammbruchargument, das häufig vorgebracht wird, die Ehe ist unser Bollwerk gegen Sodom und Gomorrha.

Die monogame Ehe sicherte vor 2000 Jahren das Überleben der einzelnen Clans in einer kriegerischen Zeit. Das Leben von Mann und Frau wurde in einer Familie wirtschaftlich abgesichert, dadurch wurden mehr Kinder gezeugt und die Größe des Clans wuchs an, was enorm wichtig war, wenn man einen anderen Clan von einem fruchtbaren Stück Land vertreiben wollte. Das könnte auch gut die Begründung dafür gewesen sein, dass Männer und Frauen nicht in homosexuellen Verbindungen ihre sexuelle Energie in fruchtlosen Beziehungen „verschwenden“ sollen. Die monogame Ehe war ein Grund für die erfolgreiche Verbreitung des Christentums, weil sie das Überleben des Clans sicherte und damit den Glauben weitertrug, in der Tat eine Erfolgsgeschichte.

Wir leben heute nicht mehr in biblischen Zeiten, Menschen ziehen Kinder allein groß und bekommen dafür die Unterstützung vom Staat, Menschen ziehen Kinder in außerehelichen Beziehungen groß und verzichten auf einen Teil der staatlichen Unterstützung (Ehegattensplitting). Wir haben unser Zusammenleben anders geregelt als zu der damaligen Zeit. Viele Menschen haben Liebesbeziehungen, ohne dass sie dafür die Institution Ehe brauchen und trotzdem bricht hier nicht Sodom und Gomorrha aus.

Die Ehe hat ihre damalige Funktion verloren. Sie ist aber weiterhin für viele Menschen ein Symbol und das höchste Zeichen der Liebe. Zwei Menschen versprechen sich, zusammenzuleben, bis dass der Tod sie scheidet. Zwei Menschen des gleichen Geschlechts lieben sich und möchten deswegen die Ehe. Das ist ein klares und mutiges Bekenntnis, da hilft keine eingetragene Lebenspartnerschaft mit denselben Rechten wie in der Ehe.

Es geht hier nicht um rationale Überlegungen und Abwägungen, wir sterben nicht aus oder werden von anderen Clans überrannt, wenn die Ehe für gleichgeschlechtliche Verbindungen geöffnet wird, es geht darum, ob wir einer alten Geschichte mehr Glauben schenken als unserer heutigen Lebenswirklichkeit und den heutigen Bedürfnissen.

Die Politik muss frei von alten Dogmen und Vorstellungen gestaltet werden, wir leben in einer anderen Zeit, unsere Probleme lassen sich nicht mehr auf der Grundlage eines alten Buches lösen. Wir müssen unsere Werte und die Regeln für unser Zusammenleben als Gesellschaft nach unserem heutigen Erkenntnisstand und nach unseren heutigen Bedürfnissen und Erfordernissen selbst definieren. Dafür haben wir die Partei der Humanisten gegründet, mach mit!

 

4 Comments

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  1. Martin Weidner 2 Jahren ago

    Die Ehe ist weit älter als 2000 Jahre, schon bei Mose gab es Gesetze zu Ehe und Ehescheidung. Das Christentum war am Anfang der Ehe sehr kritisch gegenüber, so war Jesus und Paulus unverheiratet. Was im Artikel gesagt wird, ist völlig aus der Luft gegriffen und nicht differenziert. Was heißt denn vom Land vertrieben werden für die Urgemeinde, in der die Menschen Land verkauften, um das Geld zu spenden? Der Artikel ist ein Konglomerat aus Falschaussagen, von A bis Z historisch nicht haltbar. Gibt es hier keine Qualitätskontrolle?

  2. Author
    Sandra Pacholke 2 Jahren ago

    Ich belege gern meine Quelle in diesem Fall ist es diese:

    https://www.evangelisch.de/inhalte/113494/11-12-2012/%26quot%3B…%20dem%20Manne%20untertan%26quot%3B%20%E2%80%93%20Was%20sagt%20die%20Bibel%20zur%20Ehe%3F

    Ich gehe davon aus, dass evangelische Menschen ihren Glauben kennen und interpretieren. Hier ist es in dieser Art gesehen. Ich glaube nicht an die Bibel und habe keinen Einfluss auf verschiedene Auslegungen. Das obliegt denen, die sich darauf berufen. Dort sollten sie noch einmal die Frage nach der Qualitätssicherung anbringen.

    Was mich persönlich wundert, ist dieses irrationale Nein von Merkel. Ich denke nicht, dass sie etwas gegen Homosexuelle hat und sie sagt ja auch in dem Interview, dass sämtliche Rechte zugestanden werden, außer diesem einen Wort. Ich könnte ja noch die Logik irgendwie nachvollziehen (wenn auch widerwillig und ich sehe es auch als völlig unnötig und überholt an), dass jemand argumentiert, Ehe ist eine Verbindung aus dem Nachwuchs entspringt. Das geht biologisch nicht bei gleichgeschlechtlichen Partnern. Darauf beruft sie sich aber nicht und bleibt stur bei ihrer Meinung. In so einer Situation sind meist Vorurteile und Dogmen (die nicht unbedingt religiös sein müssen) am Werk, eine mögliche Version habe ich hier dargestellt.

  3. Martin Weidner 2 Jahren ago

    Danke für Ihre Antwort! Der Artikel, auf den Sie verweisen erwähnt den Unterschied der Nomadenzeit im 2, Jahrtausend vor Christus und der sesshaften Zeit, die noch vor 1000 v. Christus erfolgte und den Hintergrund für das Neue Testament bildete. Aber das, was in Ihrem Artikel stand, ist nicht daraus ableitbar. Das müssen Sie von woanders her gesogen haben. Insofern bleibt meine Anfrage bestehen.
    Zu Merkel: Wie sie denkt, weiß ich auch nicht. Aber Dass die Ehe – bei allen Wandlungen – immer die Konstante hatte, dass es eine geschlechterübergreifende Verbindung geht, hat seine Gründe: 1. Die Gesellschaft ist in Männer und Frauen aufgespalten (Das ist die Etymologie von „Geschlecht“ bzw. „Sexus“). Es dient der Gemeinschaft, dass es diese Geschlechter-Bünde gibt. Diese Verbindungen haben mehr zu schultern als gleich-Geschlechtliche, wie Loriot sagt: „Männer und Frauen passen einfach nicht zusammen.“ In einer gleichgeschlechtlichen Beziehung kann es per Definitionen keinen Sexismus geben. Ich behaupte nicht, dass Ehen diese Aufgabe immer gut bewältigen, aber Fakt ist, dass sie hier mehr schultern und deshalb auch mehr Unterstützung durch die Gesellschaft benötigen. 2. Nur Mann und Frau können auf natürliche Weise ein Kind zeugen. 3. Nur Mann und Frau können Kindern ein gleich- und gegengeschlechtliches Elternteil bieten. Diese 3 Gründe rechtfertigen, die Ehe für Mann und Frau vorzubehalten. Dies sind nämlich sachlich angemessene Gründe. Das hat also mit Diskriminierung nichts zu tun. Im Gegenteil: Gerechtigkeit ist die iustitia distributiva – darauf beruht der ganze Rechtsstaat. Da wird nicht gleich behandelt, sondern jedem entsprechend seiner Situation. Warum sollte hier auf einmal die Grundlagen des Rechtsstaats mit Füßen getreten werden?

  4. Roger Ray Goldberg 2 Jahren ago

    Von Seiten der Forschung ist Homosexualität eine natürliche Variation aller Säugetiere, somit auch des Menschen. Hierfür ist unter anderem das Gen xp27 verantwortlich. Viele wissen aber nicht warum Homosexualität einen evolutionären Vorteil bringt und evolutionär fortentwickelt wird.

    Neuere Befunde deuten auf einen Fortpflanzungsvorteil der Mutter hin. Um es kurz und zugegebenermaßen unwissenschaftlich auszudrücken. Homosexualität entsteht durch eine Kombination von Genetik und späteren Geburten (also durch Abnahme des Hormonspiegels der Mutter, je Geburt). Wenn sich also eine Mutter, nach mehreren Geburten ein homosexuelles Kind leistet, dann kann sie dadurch mehr Nachkommen erzeugen, in Form von ihren Enkeln. Herauszuheben ist hierbei, dass homosexuelle Menschen konfliktdämpfend auf ihre Umwelt einwirken. Verantwortlich hierfür ist der deutlich höhere Progesteronspiegel beim Homosexuellen.

    Die komfliktdämpfende Wirkung auf die Partner der Geschwister führt zu mehr Nachkommen der Mutter. Somit braucht der homosexuelle Mensch sich nicht selbst fortzupflanzen, denn seine Nichten und Neffen sind ja schließlich auch träger seiner/ihrer Erbinformationen. Die Hypothese: Homosexuelle seien anders, weil sie sich nicht fortpflanzen ist klar zu widerlegen. Homosexualität dient der Fortpflanzung. Für die Erbinformationen. also aus Sicht der Gene betrachtet, ist der Träger, sei er/sie homosexuell oder nicht, gar nicht von Bedeutung.

    Mit anderen Worten, es spielt keine Rolle ob man selber Kinder zeugt, oder die eigenen Geschwister Kinder zeugen. Letztlich teilen sich Oma und Opa, Vater und Mutter, Onkel und Tanten, (auf der Erzeugerseite) mit den Kinder, oder Neffen und Nichten (Erzeugentenseite), dieselbe Erbinformation. Fortpflanzung muss keineswegs den „direkten Weg“ gehen. Das ist ja häufig anzutreffender Irrtum, nicht nur von gläubigen Menschen.

    Eine Randbemerkung: Die menschliche Sexualität (sexuelles Verhalten) dient zu 99% anderen Zwecken als der Fortpflanzung. Die Fortpflanzung nimmt im Spektrum menschlicher Sexualität nur 1% ein. Die Sexualität auf die Fortpflanzung zu reduzieren, hieße, Bindung, Liebe, Zuneigung, Freundschaft, Fürsorge und Brutpflege, obsolet zu machen.

    Die Gleichstellung homosexueller Ehen ohne Kinder ist, eine Gleichstellung der heterosexuellen Ehe ohne Kinder.

    Roger K. Psychopathologe

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